Mein Mittwoch sieht so aus: zehn Uhr ein „kurzer Call" — kam letzte Woche über LinkedIn rein. Halb zwei ein „Erstgespräch" mit einer Empfehlung, die ich eigentlich gut finde. Fünf Uhr noch ein „Strategie-Call" mit jemandem, der seit drei Wochen „interessiert" ist und mich immer weiter vertröstet. Drei Calls, viereinhalb Stunden zusammen. Am Ende komm ich raus und denk halt: „War wertvoll, das Gespräch." Bis Freitag merk ich dann: einer hat sich gemeldet, mit „wir nehmen uns das nochmal vor". Die anderen zwei sind weg. Und ich sitz da und frag mich: was hab ich gerade eigentlich gemacht?
Wenn du diesen Mittwoch kennst — bleib kurz.
Ich hab das, was Selbstständige und Boutique-Agenturen normalerweise verschenken, zwei Jahre lang auch verschenkt. Weil ich dachte, ich muss erst beweisen, dass ich was kann. Erst Mehrwert geben, dann Geld nehmen. Das klang anständig. Es war Selbstausbeutung mit gutem Gefühl.
Acht bis zehn solcher Termine pro Monat. Jeder neunzig Minuten. Manche wurden zwei Stunden, weil ich ja „Mehrwert liefern" wollte. Wenn ich's rechne, waren das zwanzig Stunden verschenkt. Drei volle Arbeitstage. Pro Monat.
Das absurde dabei: Genau das war das Wertvollste, was ich anbieten konnte. Es war der Moment, in dem alles andere möglich wurde — und ich hab's behandelt wie eine Visitenkarte.
Irgendwann hab ich was ausprobiert, was sich erst falsch anfühlte. So sah die Treppe aus, die daraus wurde: